Kälber wollen "kuscheln" - Einstreumanagement

Atemwegserkrankungen sind leider auf vielen Betrieben ein Problem in der Kälber- und Jungviehaufzucht.

In Untersuchungen in den USA wurden Schlüsselfaktoren als Ursachen herausgearbeitet:
Als die beiden wichtigsten wurden der Gehalt an Keimen / Bakterien in der Luft (Airborne bacteria) und die "Tiefe" der Einstreu (Nesting score) herausgefunden.
Der Zusammenhang und der Einfluss der beiden Faktoren auf die Atemwegsgesundheit sind in Abbildung 1 zu sehen.
Mit steigendem Keimgehalt in der Luft steigen die Atemwegserkrankungen z.T. deutlich an. Was aber auch zu sehen ist, dass bei "tieferer" Einstreu (Deep Nesting) der Anteil deutlich geringer ist!

Warum? Eigentlich leicht zu erklären:

  • Kälber können sich ins Stroh "kuscheln" und werden somit besser gewärmt ("Isolierschicht")
  • Ausreichend sauberes Stroh hält das Kalb zudem sauber (und trocken)
  • Aus diesem Grund, gilt der Grundsatz:
Kälber liegen im Stroh - nicht auf dem Stroh!
Das Einstreumanagement, sprich die "Tiefe" der Einstreu kann mit dem sog. "Nesting score" (nach Ken Nordlund) beurteilt werden.
Es wird darauf geachtet ob bzw. wie gut man die Hinterbeine liegender Kälber sieht oder besser nicht sieht (d.h. das Kalb "tief" genug im Stroh liegt).

Weitere Kontrollmöglichkeit: Karpalgelenke

Eine weitere Kontrollmöglichkeit, ob das Einstreuen passt, sind die Karpalgelenke der Kälber.
Schauen Sie sich die Gelenke genauer an: Sind sie sauber und trocken? Dann passt es!
Je schmutziger sie aber sind, desto problematischer ist die Einstreusituation im Liegebereich!
Wenn die Einstreu auch nur ein wenig feucht ist, dann steigt die Feuchtigkeit durch den Druck der Karpalgelenke beim Liegen an diesen Punkten auf, sammelt sich an den Gelenken und macht das Fell zuerst mal leicht feucht
Das Kalb liegt im Stroh und die Karpalgelenke sind sauber und trocken!