Landwirtschaft
Melkroboter oder Melkstand?

Jeder zweite Betrieb, der einen Laufstallneubau plant, entscheidet sich für einen Melkroboter.

Ob die Kühe gut alleine zum Melken gehen oder nicht, hängt nicht unbedingt von der Entfernung der Tiere zum Melkroboter ab, sondern ob der "Weg" frei ist. Hindernisse auf dem Weg zum Roboter sind vor allem enge Gänge, aber zum Beispiel auch Kuhbürsten und Tränken.
Tiere brauchen ausreichend Platz
Sind diese an engen Stellen oder zum Beispiel in der Nähe des Ein- oder Ausganges vom Roboter platziert, macht dies den Raum noch knapper und so für eine rangniedere Kuh (zum Beispiel Jungkuh) zu einem „unüberwindbaren“ Hindernis. Entscheidend ist es, den Tieren ausreichend Platz zu geben. Enge Laufgänge sind gerade bei Umbaumaßenahmen oft ein Riesen-Problem, sollten aber unbedingt bedacht werden.
Beim Bauplan sollten Kühe eingezeichnet sein. Die orangen Pfeile zeigen ihre Laufwege.Zoombild vorhanden

© Dr. Jan Harms

Barrierefreier Stall
Gelöst werden kann dies nur, wenn man Platz schafft, das heißt, man wird baulich einiges ändern müssen. Die Devisen „ein einfacher Melkstand rein“ oder „Roboter rein“ funktionieren nicht wirklich.
Beachten Sie beim Planlesen, dass sich die Kühe nicht nur am Roboter, sondern im ganzen Stall barrierefrei bewegen können. Ein Tipp von Dr. Jan Harms (Landesanstalt für Landwirtschaft) ist, den Weg der Kühe am Bauplan nachzuvollziehen (siehe Grafik). Zeichnen Sie Kühe in den Plan ein, dann ist schnell erkennbar, wo Schwachstellen im System oder beim Ablauf sind.
Ausgang richtig gestalten
Probleme treten im Roboterstall meistens dann auf, wenn der Ausgang des Roboters nicht funktioniert. Der Ausgangsbereich sollte zum Beispiel so gebaut sein, dass die Kuh komplett aus dem AMS herausgehen kann, bevor wieder ein Einwegtor oder ähnliches kommt (zum Beispiel im Rahmen einer Selektion). Sonst blockiert diese Kuh den Roboter. Falls möglich sollte der Ausgang auch an einer „geraden“ Wand erfolgen und nicht in einer Ecke. Die könnte sehr leicht durch eine ranghohe Kuh versperrt werden.
Vertrauen in die Technik
Funktioniert der Ausgang nicht, führt dies im laufenden Betrieb meist dazu, dass Kühe nicht von selbst zum Melken gehen. Dann wird meist am Eingangsbereich „rumgebastelt“, obwohl es am anderen Ende des Roboters fehlt.
Praktiker berichten: Das Vertrauen zur Technik muss da sein, und die Technik allein erledigt nicht die Stallarbeit und das Herdenmanagement. Der Roboter ist nur so gut, wie er auch betreut wird.
Wissen des Betriebsleiters entscheidend
Das Know-how des Betriebsleiters trägt zum Erfolg entscheidend bei. Das richtige Robotermelken ist kein Selbstläufer - es beginnt nach einem Jahr voller neuer Erkenntnisse und Erfahrungen. Viele Betriebe möchten die gewonnene Flexibilität und das Mehr an Freizeit und Zeit für die Familie nicht missen. Aber: Bei „Stop“-Meldungen hat der Roboter Priorität!