Landwirtschaftslehrlinge informieren sich
Bienenhaltung, ökologische Landwirtschaft und Bodenstruktur im Fokus

Kühe im Auslauf

Ein Schultag mit Praxisbezug und vielen Informationen zur Bienenhaltung, zur ökologischen Landwirtschaft und zur Bodenstruktur stand für die Landwirtschaftslehrlinge des zweiten betrieblichen Ausbildungsjahres im Landkreis Rottal-Inn im November 2020 auf dem Programm.

"Wenn Bienen wünschen könnten" war Thema des Vortrags von Erhard Härtl vom Institut für Bienenkunde und Imkerei an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau im Lehrbienenstand Gschaid des Bienenzuchtvereins Gschaid e.V. in Wiesing bei Triftern. Er stellte die Anforderungen der Bienen an ihre Lebensbedingungen vor und erläuterte, welche Pflanzen Nahrung für sie bieten.

Die Nahrungssituation für die Biene habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Deshalb gab Härtl Anregungen, um diese zu verbessern:

  • Löwenzahnwiesen und Blühflächen möglichst vor 9 Uhr oder nach dem Bienenflug nach 18 Uhr mähen; wenn möglich nicht alle Wiesen auf einmal
  • Wegränder abschnittsweise als Staffelmahd und Hecken nur abschnittsweise zurückschneiden
  • Staatliche Vorgaben und Förderungen im Rahmen des Greenings nutzen und Zwischenfrüchte frühzeitig anbauen
Maßnahmen im Privatgarten
Aber auch im Privatgarten sollten Pflanzenschutzmittel, Steinwüsten und Rasenroboter vermieden, mehr Wildnis zugelassen, auf "gefüllt-blühende" Arten verzichtet und attraktive Bienenweiden gepflanzt werden.

Ökologische Landwirtschaft

Landwirtschaftsreferendarin Lena Baumgartner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Pfarrkirchen erläuterte, was die ökologische Tierhaltung ausmacht:
  • Zugang zu Freigelände
  • beschränkter Einsatz von Medikamenten
  • geschlossener Nährstoffkreislauf durch die Tierhaltung
Die EU-Bio-Richtlinie, die Bio-Verbände und das bayerische Bio-Siegel legen Anforderungen fest.
Theresa Scherm, ebenfalls Referendarin am AELF, skizzierte die pflanzliche Erzeugung im Ökolandbau. Die Voraussetzungen für erfolgreichen Ökolandbau sind:
  • gutes fachliches Können und Wissen,
  • eigene Motivation und Überzeugung,
  • das Beherrschen der Produktionstechnik.
Der Austausch mit anderen Ökobetrieben ist wichtig. Aber auch das Ziel, im Ökolandbau gute Erträge zu produzieren, darf nicht vernachlässigt werden.
Vorgaben

Allgemeine Vorgaben (Restriktionen) sind, dass kein mineralischer Stickstoffdünger eingesetzt wird und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verboten sind. Saatgut, Pflanzgut und Jungpflanzen müssen aus ökologischer Herkunft ohne den Einsatz von Gentechnik erzeugt werden.

Für den Boden sprach Scherm die wichtigsten Faktoren wie Fruchtfolge und aktives Bodenleben und deren Bedeutung speziell für den Ökolandbau an.

Betrieb besucht
Nachmittag besuchten die Schüler den Öko-Betrieb von Josef Ammer in Haidberg (Gemeinde Triftern). Theodor Eckmüller vom Fachzentrum Ökolandbau erläuterte die Anwendung der erworbenen theoretischen Kenntnisse im Betrieb mit 40 Kühen und Ochsenmast.

Die Schüler konnten unter anderem das Tier/Fressplatzverhältnis und das Tier/Liegeplatzverhältnis in Gruppen zählen und kontrollieren, ob das Verhältnis passt und ob genügend Flächen im Stall und im Auslauf vorhanden sind.

Bodenzustand beurteilen

Die Spatendiagnose und Beurteilung des Bodenzustandes zeigte Ruth Brummer vom AELF Pfarrkirchen. Zwar beeinflussen Standort und Witterung die Bodenstruktur. Dennoch lässt sie sich durch Bewirtschaftung beeinflussen und optimieren.
Brummer erklärte, woran man eine gute Bodenstruktur erkennt. Die Spatendiagnose dient der Kontrolle und dem Monitoring des Bodenzustandes. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Struktur der Oberfläche, das Gefüge und die Regenwurmbesatzdichte feststellen.
Die Versickerung von Wasser und die Aufnahmefähigkeit des Bodens demonstrierte sie in einem Versuch mit Versickerungsringen. Die Schüler konnten in Gruppen auf konventioneller Ackerfläche, Neuansaat von Bio-Kleegras, mehrjährigem Öko-Kleegras, aber auch unter Fahrspuren das Monitoring zur Beurteilung der Bodenoberfläche, der Versickerungsrate sowie die Untersuchung der Regenwurmbesatzdichte durchführen.
Resümee
Um das Bodengefüge zu verbessern, müssen Regenwürmer gefüttert und die Bodenstruktur durch Zwischenfruchtanbau, Fruchtfolge, Wirtschaftsdünger, Stroh und Kalkung gefördert werden. Bei der Bodenbearbeitung sollten die Landwirte das Pflügen reduzieren und Verdichtungen vermeiden. Dies gilt sowohl für die konventionelle als auch ökologische Wirtschaftsweise. Ruth Brummer forderte die Nachwuchslandwirte auf, diese Versuche in ihren Lehr- bzw. elterlichen Betrieben durchzuführen. Es braucht dazu nur Spaten und Eimer.